KiCad Tutorial: Deine erste Platine in 6 Schritten
KiCad ist kostenlos, Open Source und seit dem EAGLE-Aus die wichtigste PCB-Software überhaupt. Dieses Tutorial führt dich als Einsteiger einmal komplett durch den Arbeitsablauf: vom leeren Projekt über den Schaltplan bis zur Platine, die du beim Hersteller bestellen kannst. Kein Vorwissen nötig, nur KiCad (Download auf kicad.org) und eine Stunde Zeit.
- Der KiCad-Workflow hat zwei Hälften: Schaltplan zeichnen (Eeschema) und Platine layouten (PCB-Editor).
- Jedes Bauteil besteht aus Symbol (Schaltplan), Footprint (Platine) und optional einem 3D-Modell.
- Prüfläufe (ERC und DRC) finden Fehler, bevor sie Geld kosten.
- Am Ende exportierst du Gerber-Dateien, die jeder Hersteller versteht.
Schritt 1: Projekt anlegen und orientieren
Starte KiCad und lege über Datei → Neues Projekt einen Ordner an, er hält Schaltplan (.kicad_sch) und Platine (.kicad_pcb) zusammen. Die Projektverwaltung zeigt beide Dateien; für dieses Tutorial arbeitest du sie von oben nach unten ab. Als Übungsschaltung eignet sich der Klassiker: eine LED mit Vorwiderstand und Batterieanschluss.
Schritt 2: Schaltplan zeichnen
Öffne den Schaltplan-Editor. Mit der Taste A fügst du Bauteile aus der Bibliothek hinzu, für unser Beispiel: eine LED, einen Widerstand (Device → R) und eine Schraubklemme als Anschluss. Mit W ziehst du Verbindungen (Wires) zwischen den Anschluss-Pins. Werte änderst du per Doppelklick, etwa „220R" für den Widerstand.
Zwei Gewohnheiten von Anfang an: Vergib Netznamen für wichtige Verbindungen (Taste L für Labels) und nutze Netzflaggen für Versorgung (+BATT, GND), das hält größere Schaltpläne lesbar.
Schritt 3: Footprints zuordnen
Jedes Symbol braucht einen Footprint, also das reale Lötpad-Muster auf der Platine. Öffne Werkzeuge → Footprints zuweisen: Links stehen deine Bauteile, rechts die Footprint-Bibliotheken. Für die LED wählst du z. B. eine 5-mm-THT-Variante, für den Widerstand ein Axial-Gehäuse. Faustregel für Einsteiger: THT-Bauteile (bedrahtet) sind leichter zu löten, SMD spart Platz.
Danach läuft die ERC-Prüfung (Inspektion → ERC): Sie findet vergessene Verbindungen und Konflikte im Schaltplan, bevor sie auf die Platine wandern.
Schritt 4: Platine layouten
Öffne den PCB-Editor und hole mit „Änderungen aus Schaltplan übernehmen" alle Bauteile aufs Board. Jetzt kommt der kreative Teil:
- Umriss zeichnen: Auf der Lage Edge.Cuts definierst du die Platinenform, für den Anfang ein einfaches Rechteck.
- Bauteile platzieren: Mit M verschiebst du Footprints, mit R rotierst du sie. Kurze Wege zwischen verbundenen Bauteilen sparen später Arbeit.
- Leiterbahnen ziehen: Taste X startet den interaktiven Router, er folgt den weißen Luftlinien (Ratsnest) und weicht Hindernissen automatisch aus. Für unsere LED-Schaltung reichen Standardbreiten (0,25 bis 0,5 mm), Stromführendes darf breiter sein.
- Massefläche (optional): Eine Kupferzone auf GND spart Routing-Arbeit und verbessert die elektrischen Eigenschaften, anlegen mit dem Zonen-Werkzeug, füllen mit B.
Schritt 5: Prüfen mit DRC und 3D-Ansicht
Die DRC-Prüfung (Inspektion → Design Rules Checker) kontrolliert Abstände, offene Netze und Überlappungen gegen die Fertigungsregeln. Erst wenn sie fehlerfrei durchläuft, ist das Layout fertig. Der 3D-Viewer (Alt+3) zeigt die Platine fotorealistisch, der schnellste Weg, vertauschte oder falsch orientierte Footprints zu erkennen.
Schritt 6: Gerber exportieren und fertigen lassen
Über Datei → Plotten erzeugst du die Gerber-Dateien (Kupferlagen, Lötstopp, Bestückungsdruck, Umriss) plus Bohrdaten. Diese Dateien lädst du als ZIP beim Hersteller hoch, welcher Anbieter für Prototypen am günstigsten ist, zeigt unser PCB-Hersteller-Vergleich. Prototypen kosten ab wenigen Euro, und eine Woche später hältst du deine erste eigene Platine in der Hand.
Wie es nach dem Tutorial weitergeht
Mit dem Grundworkflow bist du startklar für echte Projekte. Die nächsten sinnvollen Lernschritte: eigene Symbole und Footprints anlegen (für Bauteile, die in keiner Bibliothek stecken), Designregeln des Herstellers importieren und die Tastenkürzel verinnerlichen, KiCad lässt sich fast komplett über die Tastatur bedienen. Die offizielle deutsche Dokumentation ist exzellent und deckt jedes Detail ab. Und falls du von EAGLE kommst: Der Import alter Projekte hat einen eigenen Guide.
Häufige Fragen zum KiCad Tutorial
Ist KiCad für Anfänger geeignet?
Ja. Der Arbeitsablauf ist klar strukturiert (Schaltplan → Layout → Export), die mitgelieferten Bibliotheken decken tausende Bauteile ab, und Fehler fängt die eingebaute Prüfung ab. Plane für die erste Platine einen Nachmittag ein.
Was kostet KiCad?
Nichts. KiCad ist Open-Source-Software (GPL) für Windows, macOS und Linux, ohne Limits, auch für kommerzielle Projekte.
Welche Bauteile eignen sich für das erste Projekt?
Bedrahtete Bauteile (THT): LED, Widerstand, Schraubklemme, vielleicht ein Taster. Sie sind einfach zu platzieren und von Hand zu löten. SMD kommt ab Projekt zwei oder drei.
Wie bekomme ich meine Platine gefertigt?
Gerber-Dateien exportieren (Datei → Plotten), als ZIP beim Hersteller hochladen, Optionen wählen, bestellen. Prototypen gibt es ab etwa 2 bis 15 € für fünf Stück.
Kann KiCad meine alten EAGLE-Projekte öffnen?
Ja, über Datei → Importieren → EAGLE-Projekt. Schaltpläne, Layouts und Bibliotheken werden konvertiert, die Details erklärt unser EAGLE-zu-KiCad-Guide.