EAGLE zu KiCad: Migration in 5 Schritten
KiCad öffnet deine EAGLE-Projekte direkt, ganz ohne installiertes EAGLE. Diese Anleitung führt dich vom Download bis zum ersten Gerber-Export und zeigt die Stolperfallen, über die Umsteiger am häufigsten fallen.
Voraussetzungen
Du brauchst nur zwei Dinge: die aktuelle KiCad-Version (kostenlos für Windows, macOS und Linux auf kicad.org) und deine EAGLE-Dateien ab Version 6, also .sch, .brd und optional .lbr. Ältere Binärformate (vor 2012) müssen einmal durch ein Konvertierungstool, das XML-Format danach liest KiCad direkt.
Schritt 1: Projekt importieren
Öffne KiCad und wähle Datei → Importieren → Nicht-KiCad-Projekt → EAGLE-Projekt. Wähle die .sch- oder .brd-Datei aus, KiCad findet die zugehörige zweite Datei automatisch, wenn beide im selben Ordner liegen. Der Importer legt ein neues KiCad-Projekt an und konvertiert Schaltplan und Layout in einem Durchgang.
Schritt 2: Bibliotheken übernehmen
Beim Projektimport werden die im Projekt verwendeten Bauteile automatisch in projektlokale Bibliotheken übernommen. Eigene .lbr-Sammlungen importierst du separat: im Symbol-Editor über Datei → Symbol importieren beziehungsweise im Footprint-Editor für die Gehäuse. Nimm dir danach zehn Minuten, um die wichtigsten eigenen Bauteile stichprobenartig zu prüfen.
Schritt 3: Design prüfen
Der Import ist gut, aber nicht perfekt. Prüfe nach der Konvertierung drei Dinge:
- Netzliste und Ratsnest: Sind alle Verbindungen da? Ein Blick auf die DRC-Prüfung (Inspektion → Design-Regeln-Prüfung) zeigt offene Netze sofort.
- Kupferflächen: EAGLE und KiCad füllen Polygone unterschiedlich. Lass alle Zonen neu ausfüllen (Taste B) und vergleiche das Ergebnis.
- Design-Regeln: Abstände, Leiterbahnbreiten und Via-Größen aus EAGLE musst du in den KiCad-Boardeinstellungen einmal neu hinterlegen.
Schritt 4: Testweise Gerber exportieren
Exportiere ein importiertes Projekt einmal komplett: Datei → Plotten für die Gerber-Lagen, dazu die Bohrdaten. Vergleiche die Ausgabe mit deinen alten EAGLE-Gerbern in einem Gerber-Viewer. Stimmen Umrisse, Bohrungen und Lagen, ist dein Projekt vollständig gerettet und du bist von EAGLE unabhängig.
Schritt 5: Neue Gewohnheiten lernen
Die größten Umgewöhnungen für EAGLE-Veteranen: KiCad trennt Symbole und Footprints konsequent, geroutet wird standardmäßig mit dem interaktiven Router (Taste X), und statt ULPs gibt es Python-Plugins und eine große Plugin-Bibliothek direkt in der Anwendung. Nach zwei, drei Projekten fühlt sich das schneller an als das Original.
Häufige Stolperfallen
- ULPs funktionieren nicht mehr: Eigene EAGLE-Skripte musst du durch KiCad-Plugins ersetzen. Für die häufigsten Aufgaben (BOM-Export, Panelisierung, Teardrops) existieren fertige Plugins.
- Texte und Bestückungsdruck sehen nach dem Import oft leicht anders aus, einmal Korrekturlesen lohnt sich.
- Vergrabene Vias und Sonderlagen solltest du nach dem Import gezielt kontrollieren, hier passieren die wenigen echten Konvertierungsfehler.
Noch unentschlossen? Der große Überblick zeigt alle Wege aus dem EAGLE-Aus, inklusive Fusion, TARGET 3001! und EasyEDA.
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