Das Ende von EAGLE: Chronik eines PCB-Software-Klassikers

Alter Röhrenmonitor mit PCB-Layout, Sinnbild der frühen EAGLE-Jahre

Am Morgen des 8. Juni 2026 öffneten weltweit Entwickler ihre gewohnte Arbeitsumgebung und starrten auf eine Fehlermeldung. EAGLE, die PCB-Software, mit der Generationen von Elektronikern ihre erste Platine entworfen hatten, verweigerte den Start. Kein Update half, kein Neustart, kein gültiges Abo. Die Lizenzserver waren am Tag zuvor abgeschaltet worden, endgültig. So endete eine Ära, die 38 Jahre zuvor in Bayern begonnen hatte. Und weil diese Domain ein Teil dieser Geschichte ist, erzählen wir sie hier einmal ganz.

1988: Ein Layout-Programm aus Pleiskirchen

EAGLE stand für „Einfach Anzuwendender Grafischer Layout-Editor“, und der Name war Programm. Die CadSoft Computer GmbH entwickelte ab 1988 ein Werkzeug, das Platinen-Design auf den PC brachte, zu einer Zeit, als professionelle Leiterplatten-Software auf Workstations lief und so viel wie ein Auto kostete. EAGLE lief auf DOS, später auf Windows, Linux und Mac, und es kostete einen Bruchteil der Konkurrenz.

Drei Dinge machten das Programm zum Standard in Europa:

Ab 1996 hatte das alles ein Zuhause im Netz: cadsoft.de, die Seite, auf der du diesen Text liest. Download-Seite, Support-Forum, Bibliotheken-Archiv, wer in den 2000ern eine Platine entwarf, kam hier vorbei. Nebenbei beherbergte die Domain auch ein zweites Stück Open-Source-Geschichte: Klaus Schmidingers Video Disk Recorder, entwickelt von einem CadSoft-Mitarbeiter.

2009 bis 2016: Verkauft, verkauft, verkauft

Der Anfang vom Ende war eine Kette von Übernahmen. 2009 kaufte der Elektronik-Distributor Premier Farnell die CadSoft GmbH, das Kalkül: Wer im Layout-Programm Bauteile auswählt, bestellt sie vielleicht gleich beim neuen Eigentümer. 2016 folgte der große Schnitt. Autodesk, der CAD-Konzern hinter AutoCAD und Fusion 360, übernahm EAGLE und gliederte es in seine Produktwelt ein.

Für die Nutzer änderte sich zunächst das Preisschild: 2017 stellte Autodesk EAGLE vom Lizenzkauf auf ein Abo-Modell um. Wer bis dahin eine Version kaufte und jahrelang nutzte, sollte nun jährlich zahlen. Die Community murrte, viele blieben trotzdem. Wer zwanzig Jahre eigene Bibliotheken gepflegt hat, wechselt nicht wegen eines Preisschilds.

2020 bis 2023: Die stille Eingemeindung

2020 verschwand EAGLE als eigenständiges Produkt aus dem Autodesk-Shop und wurde Teil des Fusion-360-Abos. Der Schaltplan- und Layout-Editor lebte fortan als „Fusion 360 mit EAGLE Premium“ weiter, ein Anhängsel einer größeren Plattform. Wer genau hinsah, konnte die Richtung erkennen: Autodesk investierte in den Electronics-Workspace von Fusion, nicht in das alte, eigenständige EAGLE.

Im Juni 2023 kam die offizielle Bestätigung. Autodesk kündigte an, EAGLE zum 7. Juni 2026 einzustellen, drei Jahre Vorlauf, dokumentiert in der offiziellen Abkündigungs-FAQ von Autodesk. Dort stand auch der Satz, der vielen erst 2026 in seiner Tragweite klar wurde: Nach der Abschaltung der Lizenzserver werde die Software nicht mehr starten. Nicht „nicht mehr aktualisiert“. Nicht mehr starten.

Archivierte Projektdateien und Disketten neben modernem Laptop, Sinnbild der EAGLE-Datenmigration

7. Juni 2026: Der Stecker wird gezogen

Genau so kam es. EAGLE prüfte seine Lizenz bei jedem Start online, und seit dem 7. Juni 2026 antwortet dort kein Server mehr. Ein installiertes und bezahltes Programm wurde über Nacht zu digitalem Treibgut. Für die Elektronik-Community wurde das Datum zur Zäsur und zum Lehrstück in Sachen Software-Abhängigkeit:

Die Dateien selbst überleben: Schaltpläne (.sch), Layouts (.brd) und Bibliotheken (.lbr) sind seit EAGLE 6 XML-Dateien, gut dokumentiert und von anderen Programmen lesbar. Die Software dagegen nicht, ohne Lizenzserver kein Start, auch nicht im Museums-Modus für Alt-Projekte. In Foren wurde das Datum schnell zum Standard-Argument für Open-Source-Werkzeuge, deren Weiterleben kein Konzern-Beschluss beenden kann.

Warum ausgerechnet EAGLE so viele Nachrufe bekam

Software wird ständig eingestellt, meist geräuschlos. Dass das EAGLE-Ende Foren, Fachmagazine und Podcasts beschäftigte, hat mit der besonderen Rolle des Programms zu tun. Für viele war es die erste Berührung mit professionellem Platinen-Design überhaupt: Das Studium lehrte EAGLE, das Hackerspace-Regal enthielt das EAGLE-Buch, und die halbe Arduino-Welt veröffentlichte ihre Referenz-Layouts jahrelang als .brd-Datei. Wer heute in ein beliebiges Elektronik-Archiv schaut, findet EAGLE-Dateien in einer Dichte, die noch Jahre an die alte Vormachtstellung erinnern wird. Solche Software verschwindet nicht einfach, sie hinterlässt ein Dateiformat als Denkmal.

Was von EAGLE bleibt

Bemerkenswert ist, wie geordnet die Community weiterzog. KiCad, das Open-Source-Pendant, hatte über Jahre einen EAGLE-Importer gepflegt und wurde zum Hauptziel der Abwanderung, unser Migrationsguide zeigt den Weg in fünf Schritten. Autodesk selbst bietet mit dem Fusion-Electronics-Workspace den offiziellen Nachfolger an, der EAGLE-Dateien nativ öffnet. Und die alten Bibliotheken, Tutorials und ULPs kursieren weiter in Archiven, Wissen verschwindet langsamer als Lizenzserver.

Bleibt die Frage, was aus der alten Heimat wurde. Die Antwort liest du gerade: cadsoft.de führt die Geschichte als unabhängiges Fachportal fort, mit Guides zum EAGLE-Umstieg, zu CAD-Software und 3D-Druck. Die Domain, auf der EAGLE groß wurde, hilft jetzt beim Abschied von ihm. Es gibt schlechtere Pointen.

Infografik: EAGLE-Zeitstrahl 1988 bis 2026 von CadSoft bis zur Server-Abschaltung

Die EAGLE-Chronik im Überblick

Jahr Ereignis
1988 CadSoft Computer GmbH beginnt die EAGLE-Entwicklung
1996 cadsoft.de geht online, Download-Heimat der Software
2009 Übernahme durch Premier Farnell
2016 Autodesk kauft EAGLE
2017 Umstellung auf das Abo-Modell
2020 EAGLE wird Teil von Fusion 360
Juni 2023 Autodesk kündigt das Support-Ende an
7. Juni 2026 Lizenzserver abgeschaltet, EAGLE startet nicht mehr

Wer heute noch EAGLE-Projekte auf der Platte hat: Sie sind nicht verloren. Der Umstiegsguide erklärt, wie du Schaltpläne, Layouts und Bibliotheken in die Gegenwart rettest, bevor auch die Erinnerung verblasst, wo die Dateien überhaupt lagen.